Garnelenprofi

Auch wir brauchen einmal eine kleine Pause. Wir sind für ein paar Tage auf Wirbellosenexpedition. In Kürze (ab 29.09) sind wir wieder voller Elan und in alter Frische für Sie da. Vielen Dank für das Verständnis. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne per Mail.

Tipps & Tricks zu Garnelen und Krebsen

Tipps zur Aufzucht und Haltung von Garnelen

Das „Einlaufen“ oder „Einfahren“ der Becken ist ein ganz besonders wichtiger Faktor, wenn es mit den Garnelen klappen soll. Soll möglichst schnell biologisches Leben im neuen Becken entstehen, nimmt der erfahrene Aquarianer gebrauchte und mit Leben besiedelte Steine, Bodengrund oder auch Pflanzen. Dazu noch einen alten Filterschwamm im Becken auswaschen und dazu mind. 50% gebrauchtes Wasser aus einem anderen Becken. Dann diese Zutaten kräftig verrühren – äh nein… wir sind ja nicht beim Kochen… – d.h. den Wassermix mind. 4-6 Wochen stehen lassen. Natürlich sollte dabei zusätzlich ein Filter laufen.

Gerne auch Laub (siehe Krebse) Die Huminsäuren des Laubs stellen dabei wohl auch einen ganz wichtigen Faktor da. Wie in einer der Ausgaben vom Aquaristik Fachmagazin zu lesen war, haben sie entscheidenden Anteil an der Fitness und Stressresistenz von Fischen und auch Garnelen.

Vernünftigerweise sollten zum Start eines Beckens erst einmal 5-10 Tiere ins Aquarium einziehen. Klappt dies gut und ohne Verluste, können nach weiteren 2 Wochen dann weitere Tiere nachsiedeln. Aus meiner Sicht bzw. Erfahrung sind jedoch 20-30 Tieren optimal. So kann man schneller Eier tragende Weibchen ausmachen und man muss keine weiteren Tiere wieder zur Eingewöhnung neu dazu setzen.

Haltung und Aufzucht von Garnelen

Ganz allgemein empfiehlt es sich, zumeist halbwüchsige ca. 1-1,5cm große Tiere zu erwerben. Zum Einen sind Tiere dieser Größe noch recht fit bezogen auf Veränderungen in Wasserchemie und Haltung (d.h. diese Tiere häuten sich leichter). Zum Anderen weiß man dann wie alt sie ungefähr sind bzw. man erwirbt keine „Großmütter“ und „Großväter“. Der beliebte Spruch der Wiederverkäufer lautet meist:“ach was sind die klein“ ;-) Es sind ja auch Zwerggarnelen! Und vollkommen ausgewachsene Tiere – wie sie oft aus Importen angeboten werden – haben oft noch eine Lebenserwartung von unter 3 Monaten. Ein gesunder Mix aus halbadulten und einigen wenigen richtig großen Tieren ist die richtige Auswahl. Sicherlich zeigen gerade vollkommen ausgewachsenen Weibchen die besten und intensivsten Farben. Kommen die Tiere jedoch aus einer Zucht, sollten sich diese Farben auch bei den heranwachsenden, sich noch häufiger häutenden Tieren, mit, zunehmenden Wachstum, zeigen.

Unsere Angaben sind natürlich nicht als „universelle Wahrheit“ zu sehen. Immer wieder machen wir neue Entdeckungen und der Austausch mit Gleichgesinnten bringt neue Erkenntnisse. Es gibt genügend erfolgreiche Züchter, die auch ganz andere Erfahrungen gemacht haben und damit erfolgreich waren. Es führen bekanntlich viele Wege nach Rom. Leider sind wir aufgrund unserer Wasserwerte in Enger gezwungen, andere Wege zu gehen als die Züchter aus Weichwassergebieten, wo das perfekte Wasser einfach aus dem Hahn kommt. Ein wenig bin ich auch auf die Züchter neidisch, die Brunnenwasser zur Pflege ihrer Schützlinge verwenden können. Aber wie sagt bekanntlich der Rheinländer… man muss auch jönne könne…

Je nach Größe des Beckens können zu den Garnelen auch einige Schnecken, Minifische oder subadulte Ancistrus und L-Welse ins Becken einziehen. Wobei ich auch hier wieder pauschale Aussagen vermeiden möchte. Gerne wird allgemein gesagt Ancistrus vertragen sich gut mit Zwerggarnelen. Wer aber einen 15cm großen ausgewachsenen Ancistrus Bock eine komplette Zwerggarnele hat inhalieren sehen, der ist auch da bestimmt anderer Meinung. Gute Erfahrungen haben wir jedoch mit Jungtieren zwischen 2-6cm gemacht. Die Garnelen „wuseln“ auf den Welsen herum, diese lassen sich das gerne gefallen und der Kot der Welse scheint auch noch einiges an Wiederverwertbarem zu beinhalten. Garnelen sind u.a. auch Detritus Verwerter.

Andersherum sind auch Zwerggarnelen bei Welszüchtern gerne gesehen. Die Garnelen kommen in die kleinsten Winkel der Becken und fressen so übrig gebliebene Futterpartikel, was wiederum die Wasserwerte zusätzlich verbessert. Zudem sind Zwerggarnelen keine Laichräuber

Garnelen in jedem Aquarium?

Wer hat nicht schon von Putzersymbiosen gehört. Garnelen, die Fische oder andere Tiere säubern und sie von Parasiten befreien? Warum gibt es in jedem Biotop, in jedem See, in jedem Fluss zwar meist auch ein paar Fische, aber unendlich viel mehr an wirbellosen Kleinstlebewesen? Weil Wirbellose einfach immer dazu gehören! Übertragen auf die Aquaristik sollten also in jedem Becken auch Wirbellose mit gepflegt werden! Ob jetzt nun eine Zwerggarnele mit einem 30cm Malawiräuber vergesellschaftet werden sollte, sei vorerst dahin gestellt. Es gibt jedoch oft wesentlich mehr Möglichkeiten als man sich allgemein vorstellen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn – Garnelen gehören einfach in jedes Aquarium, und Wirbellose im Allgemeinen und Speziellem sind doch eh die besseren Fische. (Nicht ganz so ernst gemeint).

Was gehört nun bei der Planung eines Garnelenaquariums alles bedacht:

  • Beckengröße
  • Filterung
  • Wasserwerte
  • Einrichtung
  • Zu pflegende Art oder Arten
  • Standort
  • Vergesellschaftungsmöglichkeiten

Versuche mit langen Standzeiten und nur geringem Wasserwechsel waren zwar auch von Erfolg gekrönt. Wenn die Population jedoch einen gewissen Grad überschritten hatte, traten i.d.R. Probleme auf. Wer einmal länger in Urlaub geht, der kann jedoch versichert sein, dass die kleinen Krabbler auch einmal 3-6 Wochen ohne die erwähnten Wasserwechsel auskommen.

In unserer Urlaubszeit reduzieren wir die Temperatur um 3-4 Grad, was den natürlichen Gegebenheiten in einem Garnelenbiotop auch sehr ähnlich ist. Die Tiere bekommen so einen geringeren Stoffwechsel und ihre „natürliche“ jahreszeitliche Schwankung wird simuliert. Darüber hinaus wird auch der Futterkonsum von 3-4x täglich auf 1x alle 2 Tage reduziert. Die Zeit der Beleuchtung wird ebenfalls verkürzt.

So dauert es danach allerdings auch wieder ca. 3-4 Wochen, bis der Stoffwechsel erneut hochgefahren ist und die Vermehrung wieder anfängt. Aber gerade in dieser Zeit sehen wir enorm viele Weibchen die große Eipakete angelegt und zudem im Größenwachstum zugelegt haben. Nach solchen Ruhephasen kommen somit deutlich mehr Jungtiere hoch!

Anders als die Standardgarnelen bekommen die Hochzuchtgarnelen ein gemäßigteres Wasserwechsel-Programm von 10 – 20 % Wassermenge, dafür aber alle 3-5 Tage.

Hier zeigt es sich, dass diese meist aus japanischen Anlagen stammenden Tiere einfach viel zu verweichlicht sind und auch eine gewisse Inzuchtdepression aufweisen. Wobei die Jungtiere aus eigener Nachzucht dann glücklicherweise wieder eine deutlich gesteigerte Fitness beweisen.

Radula bei Schnecken:Bei der Ernährung von Schnecken spielt das Aussehen der Radula (Zunge) eine bedeutende Rolle. Handelt es sich um Grazer oder normale Weidegänger, hat die Radula einen besonderen Aufbau etc….Manche Schneckenarten sind so spezialisiert auf ein bestimmtes Futtermedium bzw. auf den Ort wo dieses Futter aufgenommen wird, dass sie schwer im Aquarium auf Dauer gehalten werden können. So benötigen einige Arten bestimmte Holzstrukturen auf denen sie Mikroorganismen und Algen abweiden, andere bevorzugen glatte Flächen wie Steine, andere wiederum benötigen weiche Untergründe wie Schlick und Schlamm.

Vergleichbar mit den bekannten L-Welsen, die auch ganz unterschiedliche geformte Mäuler, „Zähne“ bzw. Raspelstrukturen und Saugapparate besitzen, stellen auch Schnecken besondere Ansprüche an die Art und Weise ihrer Nahrung oder wie diese aufgenommen wird. Gerade bei den neu eingeführten Arten wie den Tylomelania oder auch Brotia Arten handelt es sich um echte Nahrungsspezialisten!

Auch filtrierende Schnecken brauchen spezielles Staubfutter bzw. eine Schicht von Mikroorganismen auf Mulm um dies dann aufzuwirbeln und aufzunehmen. In einem „sauberen“ mit Klarwasser gefüllten Becken ganz schwer darstellbar.

Experimente mit lebenden Algen haben hier interessante Ergebnisse erbracht!

Krebse

Weniger ist mehr! Gerade bei den größer werdenden Krebsen aus der Gattung gilt bei der Fütterung dieser Leitsatz. Um Häutungsproblemen vorzubeugen und sie dauerhaft gut pflegen zu können bzw. auch nachzüchten zu können ist eine eingeschränkte Fütterung sinnvoll. Jedoch sollte immer ausreichen Laub von Seemandel, Eiche, Nussbäumen oder auch weniger gern von Buche im Becken vorhanden sein. Das Laub sollte gut getrocknet gelagert werden und vor dem einbringen mit kochendem Wasser überbrüht werden.

Meist werden die verschiedenen Laubblätter erst nach ein paar Tagen bzw. meist erst nach 2 Wochen von den Krebsen gierig gefressen. Nach dieser Zeit haben sich auf dem sich zersetzende Laub viele Mikroorganismen gebildet, die eine zusätzliche Eiweißquelle ausmachen. Die Fasern des Laubes dienen den Mikroorganismen im Darm der Krebse als Nahrung.

Aufzucht und Haltung von Krebsen

Gerne wird auch an Morkienholzwurzeln geknabbert. Pestizidfreie Gemüse wie z.B. Karotten oder Paprika runden den Speiseplan ab. Handelsübliches Futter für Krebse sollte nur alle 2-3 Tage in geringen Mengen gefüttert werden.

Bei den Zwergkrebsen der Gattung Cambarellus verhält es sich ein wenig anders. Diese kleinen Kerlchen füllen sich mit den beschrieben Futtermitteln auch wohl, ihre Ernährung kann aber nach eigenen Erkenntnissen etwas reichhaltiger sein. Sie zeigen sich zudem wesentlich agiler und offener als ihre meist in einer Höhle verborgen lebenden Verwandten.

Mehr zu den individuellen Ansprüchen in den Informationen der jeweiligen Arten.

Viel Spaß beim Hobby J